Umgestaltung Europaplatz: Jede Menge offener Fragen

Thomas Diehl.

Für den Arbeitskreis Verkehr von Bündnis 90/Die Grünen Mönchengladbach gibt es nach intensiver Beratung noch zahlreiche offene Fragen zur Umgestaltung des Gladbacher Europaplatzes.

Mönchengladbach. Die Stadt plant mit Hochdruck eine Umgestaltung des Europaplatzes auf deutlich geringerer Fläche. Auslöser hierfür ist die geplante Neubebauung auf dem Gelände des „Haus Westland“, die über das bisher bebaute Gelände hinausgreift und dadurch eine neue Organisation des Platzes erfordert. Darüber hat der Arbeitskreis Verkehr der Grünen mit zahlreichen Gästen in zwei Sitzungen im Juli und August ausführlich beraten. Zwar herrscht Einigkeit, dass der Platz schon seit Jahren anders organisiert werden muss, die derzeitigen Skizzen der Verwaltung treffen jedoch auf Skepsis.
Aus Sicht der grünen Verkehrsexperten hat es Verwaltung offenbar nicht geschafft, in ihren Entwürfen auf dem künftig verbleibenden Platz den Bedarf an Haltestellen zu decken – vielmehr arbeitet sie mit kundenunfreundlichen Notlösungen. Für blinde, sehbehinderte, ortsfremde und mobil eingeschränkte Menschen sind die großen Entfernungen von teils über 200 Metern zwischen Bahnhofseingang und Bushaltestellen ebenso ein Problem wie die Überlegung, Busse künftig je nach Situation an unterschiedlichen Bussteigen halten zu lassen. Die angekündigt unübersichtliche und weitläufige Situation ist eine Belastung für alle, die den Platz nutzen – für bestimmte Gruppen wird die Benutzung so nahezu unmöglich. Auch die Wegnahme der Taxen und die allgemeine Nicht-Beachtung des Zusammenspiels aller Verkehrsträger in der Umgebung des Bahnhofs ist der Funktion eines Bahnhofs und insbesondere des hochtrabenden Namens „Mobilitäts-Hub der Zukunft“ unwürdig.

Gemeinsam hat der Arbeitskreis daher einen Fragenkatalog erstellt, wie die schwierige Situation auf dem Platz verbessert werden kann. Die Berücksichtigung und Klärung dieser Fragen kann die Planungen aus Sicht des Arbeitskreises Verkehr deutlich verbessern. Daher wurden sie an den Oberbürgermeister, die Inklusionsbeauftragte der Stadt und den Baudezernenten geschickt.
„Der Bahnhof Mönchengladbach kann in der Tat ein ‚Mobilitäts-Hub der Zukunft‘ werden. Dazu braucht es aber eine gute Beratung mit entsprechendem Rahmen. Sich mit einem unter Zeitdruck erstellten Notfallplan im wahrsten Sinne des Wortes die Zukunft zu verbauen, kann die Stadt sich nicht leisten“, fasst Thomas Diehl, Leiter des Arbeitskreises, die Diskussion zusammen.


Fragenkatalog des grünen Arbeitskreises Verkehr zur Umgestaltung des Europaplatzes

Barrierefreiheit
• Welches Konzept gibt es für die barrierefreie und eindeutige Leitung aller Verkehre (Fuß, Rad und ÖPNV)? Wie ist in diesem ein Markierungskonzept der Wegebeziehungen (taktil und optisch) vorgesehen?
• Wie werden Furten gestaltet, die ein Durchqueren des Bereichs und die Erreichbarkeit aller Haltestellen mit Rollstuhl oder Rollator ermöglichen?
• Welche Maßnahmen sind geplant, diese Fuhrten zur Benutzung freizuhalten?
• Wie werden ausreichende Wegbreiten in allen Bereichen einschließlich der Haltestellen gewährleistet?
• Wie ist die in der Presse angedeutete Praxis, Buslinien nicht immer an der gleichen Haltestelle anzubieten, mit der erforderlichen Barrierefreiheit vereinbar?
• Nach welchen Standards werden (alle) Haltestellen für ein barrierefreies Aus- und Zusteigen gestaltet?
• Wie ist die Entfernung von über 200 Metern vom Bahnhofeingang bei einigen der aktuell vorgesehenen Haltestellen, insbesondere in der Sittardstraße und östlich der Humboldtstraße, mit der erforderlichen Barrierefreiheit vereinbar?
• Wie ist der Stand der erforderlichen Planungen zum flächendeckenden Einsatz akustischer Haltestellenansagen im Busverkehr?
• Wie sind die Einschätzungen betreffs der (für eine Förderung unabdingbaren) Barrierefreiheit der Planungen seitens des VRR?

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
• Was genau ist in diesem Konzept unter einem „Hub“ zu verstehen?
• Wie sieht das vollständige den Europaplatz querende Liniennetz und der damit verbundene Haltestellenbedarf unter dem Aspekt „Förderung des ÖPNV“ aus?
• Wie sichert das Konzept die Flexibilität, auf zukünftige Bedarfe, insbesondere eine Zunahme der ÖPNV-Angebote oder die Überlegungen zu einer Straßenbahn zu reagieren?
• Welches Potenzial hat der Bahnhofsbereich, neue Angebote wie Bike- und Carsharing vorzuhalten?
• Warum zeigt die zuletzt gezeigte Skizze der künftigen Platzgestaltung keine Bushalte an der Nordseite der Hindenburgstraße?

Sonstige
• Wie sind Bedarfe und typisches Mobilitätsverhalten der Nutzer/-innen des Bahnhofs in der Planung des Platzes berücksichtigt?
• Sind Goeben-, Sittard- und Humboldtstraße in Zukunft autofrei? Wie wirken sich die Änderungen der Verkehre auf dem Europaplatz auf die Hindenburgstraße zwischen Humboldtstraße und Eickener Straße aus?
• Ist es möglich, den Taxiverkehr als Kehre am künftigen Ende der Goebenstraße einzurichten?
• Wie wird der Radverkehr künftig über den Europaplatz geführt?
• Wie werden in Zukunft ausreichende Abstellplätze für Fahrräder auf der Nordseite des Bahnhofs sichergestellt?
• Wie weit ist der Investor des Projekts „19 Häuser“ an den Kosten des Umbaus, die er zu nicht geringem Teil erforderlich gemacht hat, beteiligt?
• Welche städtebaulichen Funktionen und Qualitäten wurden bei der Gestaltung des Platzes berücksichtigt? Ist die Funktion als repräsentatives Eingangstor der Stadt und als deutlicher Abschlusspunkt der Fußgängerzone berücksichtigt?

Weitere Bahnhofsumgebung
• Wieso gibt es keine parallele Beplanung des Bereichs Europaplatz, um den Bahnhofsbereich als Gesamtkontext zu organisieren?
• Ist es möglich, den Fernbusbahnhof von seiner aktuellen peripheren Lage stärker in Bahnhofsnähe, etwa auf den Parkplatz der ehemaligen Postfiliale entlang der Heinrich-Sturm-Straße, zu verlegen?
• Gibt es ein Konzept für die Bekämpfung von Angsträumen im Umfeld, etwa der Unterführung der Heinrich-Sturm-Straße?

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