Redebeitrag zur Sondersitzung der BV Giesenkirchen am 7.2.06

Sperrvermerk Dienstag, 7.2.2006 17.00 Uhr

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Redebeitrag zur Sondersitzung der BV Giesenkirchen am 7.2.06

 

Unter Rot/ Grüner Bundes- und Landesregierung, war die geplante A 44 aus den aktuellen Verkehrsplanungen herausgenommen. Aus wohlüberlegten und vernünftigen umweltpolitischen, verkehrspolitischen und finanziellen Gründen . Jetzt unter der neuen CDU/FDP Landesregierung taucht diese Straßenführung nun als L 19 in der integrierten Gesamtverkehrsplanung des Landes wieder auf und das an vorderer Position entgegen jeder Vernunft und ohne jede Notwendigkeit. Getarnt als Ortsumgehung Ruckes. Dies jedoch kann nur jemand behaupten, der die örtlichen Gegebenheiten nicht kennt oder bewusst die Menschen „für dumm“ verkaufen will.

 

Dafür sind die schienengebundenen Vorhaben, S-Bahn-Anschluss nach Rheydt und Wickrath und Bahnanschluss in den Nordpark entgegen den Versprechungen der CDU, in Person von Herrn Schroeren im Landtagswahlkampf, zurückgestuft worden. Bei der Bewertung der Projekte haben Ihre Landesplaner den materiellen und den ideellen Wert für Mensch und Natur jedoch nicht berücksichtigt.

 

Die jetzt geplante L 19 darf niemals gebaut werden und muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindert werden. Das Ausmaß an Zerstörung für Mensch, Natur und Umwelt wäre unbeschreiblich. Große Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Freizeiteinrichtungen und Wohngebiete werden dadurch für alle Zeit vernichtet und für den Menschen unnutzbar gemacht.

 

Alleine in den Stadtbereichen von Odenkirchen, Rheydt und Giesenkirchen, wird von Süd nach Nord Folgendes tangiert und zerstört:

 

Das Naturschutzgebiet und Naturdenkmal Galgenberg auf der Kamphausener Höhe, das Landschaftsschutzgebiet mit Anlagen von Biotopen Dohrer Busch, der Bresges-Park und das Gelände Zoppenbroich, das Landschaftsschutzgebiet entlang der Niers bis Schloss Rheydt mit einem weiteren Naturdenkmal und einem Aufforstungsgebiet hinter Tackhütte.

 

In diesem Bereich liegen folgende Wohngebiete, meist Neubaugebiete: Eierberg und Kamphausener Höhe in Odenkirchen, Trimpelshütte und Dohrer Str. mit vielen Gartenanlagen, Biesel, Bieseler Feld, Schrödt und Tackhütte in Giesenkirchen mit vielen Neubaugebieten neben alter Wohnbebauung.

 

Außerdem werden folgende Freizeiteinrichtungen neben den genannten Landschaftsschutzgebieten entlang der Niers zerstört oder zumindest beeinträchtigt: Kleingartenanlage Giesenkirchen, Tenniscentrum Giesenkirchen, Freibad Giesenkirchen, Hundesportanlage, sowie verschiedene große und kleine Reitsportanlagen und Reiterhöfe. Ganz abgesehen davon, das unendlich viele Joggerinnen und Jogger und Erholungssuchende in den oben genannten Gebieten entlang der Niers und dem Dohrer Busch ihren Freizeitsport nicht mehr dort ausüben könnten.

 

Wer diese Straße bauen will, versündigt sich im hohen Maße an Mensch und Natur und nimmt die Zerstörung ganzer Ortschaften bewusst in Kauf. Wobei wir den Sinn für diesen Raubbau nicht sehen können.

 

Durch die Versiegelung von Boden und Natur im Bereich der Niers, wäre diese auf viele Kilometer nicht mehr renaturierbar und die zusätzlich versiegelte Fläche würde die Gefahr eines Hochwassers in diesem Bereich deutlich erhöhen. Um dem entgegenzuwirken sollten Flussläufe renaturiert werden. Dies wäre dann an der Niers bis Schloß Rheydt nicht mehr möglich.

 

Noch in der Neujahrsansprache in Giesenkirchen sprachen Sie Herr Boss als Bezirksvorsteher, am Anfang Ihrer Rede die großen Umweltkatastrophen in der ganzen Welt im Jahre 2005 an. Dass hier jedoch in Giesenkirchen mit dem Vorhaben der CDU neue Umweltschäden, die auch das Klima belasten, vorangetrieben werden, stört Sie wohl nicht. Diese Straße würde nur noch mehr Verkehr und Umweltbelastung durch Feinstaub und Lärm in eine sowieso schon stark verschmutzte und befahrene Innenstadt bringen und das Leben dort noch unmöglicher machen.

 

Wem dient also letztlich diese Straße? Fragen sich viele besorgte BürgerInnen der Stadt!

 

Als Umgehung für Ruckes nutzt sie nichts, denn der Verkehr, der in das Industriegebiet Erftstr. will, wird weiter durch Ruckes fahren. Hier bringt nur die bereits angedachte und geplante Ostumgehung Ruckes Entlastung. Das Geld, welches dringend für die Verlängerung der S-Bahn nach Rheydt und Wickrath eingeplant war und damit die Stadt vom Individualverkehr entlasten würde, geht durch dieses sinnlose Objekt verloren. In beiden Fällen hat die CDU ihre Wahlversprechen vor den Landtagswahlen gebrochen.

 

Über den Grund dieses unsinnigen Straßenbauprojektes könnten auch andere Überlegungen eine Rolle spielen: Muss etwa die CDU eine bestimmte Straßenbau- und Autolobby bedienen, weil dort in den letzten Jahren weniger investiert wurde? Oder kann es auch möglich sein, dass ein ehemaliger hier wohnender Oberstadtdirektor noch soviel Einfluss ausübt und deshalb die Ostumgehung Ruckes nicht erwünscht ist? Oder soll letztlich der Bau der Straße bis Schloss Rheydt nur ein Teilstück sein und in weiteren Schritten die gesamte Strecke auf der ehemaligen Trasse der A 44 bis zum Flughafen ausgebaut werden? All diese Fragen stellen sich, wenn man eine Erklärung über Sinn und Unsinn dieser Straße sucht.

 

Wir, Bündnis 90/Die Grünen, lehnen die geplante L 19 entschieden ab. Wir fordern Sie auf, sich weiterhin für die Ostumgehung Ruckes einzusetzen und die finanziellen Mittel für diese Umgehung einzufordern. Treten Sie dafür ein, die weitere Planung einer L 19 auf der Trasse der ehemaligen A 44 sofort einzustellen. Soviel Zerstörung von Mensch, Natur und Umwelt können auch Sie von der CDU nicht wollen und nicht verantworten. Fordern Sie Ihre Landespolitiker auf, von diesem Projekt sofort Abstand zu nehmen, bevor die Welle der Entrüstung weitere Kreise zieht. Wir, Bündnis 90/Die Grünen, werden den Widerstand gegen diesen geplanten Unsinn auf allen Ebenen mit unterstützen.

 

Hajo Siemes (Bezirksvertreter in Giesenkirchen)