„Four Seasons“-Projekt birgt noch sehr viele Unwägbarkeiten in sich

Karl Sasserath.
Dr. Gerd Brenner.

Mönchengladbach. Über rund 385 Hektar Fläche verfügt das JHQ-Gelände im Stadtteil Rheindahlen – ein riesiges Areal, auf dem sich eine verlassene Kleinstadt mit 2.000 Gebäuden, darunter fast 1.400 Wohnhäuser, einem Wasserwerk, Lager-, Büro- und Stabs¬gebäuden, zahlreichen Sporteinrichtungen, Schulen, Kindergärten und Zweckbauten befindet. Seit dem Abzug der Briten 2013 gehört das Gelände der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Was die Nachnutzung des Geländes angeht, ist nun anscheinend der von einigen Mönchengladbacher Politikern heiß ersehnte „Weiße Ritter“ erschienen: Arabische Investoren planen einen 60 Hektar großen Freizeitpark, ähnlich wie Disneyland Paris, nur eben kleiner dimensioniert. (Die Gesamtfläche des JHQ hat ein Fünftel der Größe von Disneyland). Angedacht ist ein Projekt namens „Four Seasons“, das als touristisch und architektonisch einzigartiges  Bauwerk ein  modernes und luxuriöses Indoor-Erlebnis- und Hotelzentrum beherbergen  soll. Wie es heißt, wollen die Projekt-Investoren aus Dubai dafür etwa 1,4 Milliarden Euro in die Hand nehmen.

Dem Namen „Vier Jahreszeiten“ gemäß sollen in vier Kuppelhallen den Jahreszeiten entsprechende Landschaften modellhaft mit dem typischen Flair errichtet werden. Besucher haben die Möglichkeit, mit der Jahreszeit  korrespondierende  Aktivitäten zu erleben: Action, Fun und Extremsport. Als Besonderheit ist eine Hochbahn namens „Skyliner“ vorgesehen, die auf einem bewegten Rundkurs durch die  Kuppeln und das Gelände fährt. Laut Aussage der Investoren wäre das Projekt der größte überdachte Garten der Welt.

Das Projekt stellt sich in Zahlen (nach dem vorgestellten Modell Qatar von 2012) wie folgt dar: Zu den vier Themenwelten Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit einem gesamten Grundflächenbedarf von 380.000 Quadratmetern kommen vier Hotels, 500 Apartments, Penthäuser, mindestens 100 Büroeinheiten, dazu Gastronomie, Shopping Mall, Theater, Kino, Fun Park, TV Station und IT Office.

„Die Frage ist nun, wenn die Investoren 60 Hektar für ihr Projekt benötigen, warum ihnen dann das gesamte JHQ-Gelände verkauft werden soll?“, fragt Grünen-Fraktionschef Karl Sasserath. Vor diesem Hintergrund hatte Grünen-Ratsfrau Ulla Brombeis in der letzten Ratssitzung den Antrag gestellt, den arabischen Investoren nur 60 Hektar Fläche zum Verkauf anzubieten. Der Antrag wurde von der „Groko“ abgelehnt. Den Ratsmitgliedern hatte EWMG-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schückhaus weiter von den Überlegungen berichtet, Wohnungen und Bürogebäude auf dem JHQ-Gelände zu errichten. „Mit solchen Funktionen in einem neuen Stadtteil die Innenstadt schwächen, das war nie grüne Linie“, sagt Sasserath. Die Grünen votierten gegen die Ratsvorlage, weil viele Details unklar blieben. „Wir sind nicht generell gegen das Projekt“, erläutert der Grünen-Politiker, „wohl aber dagegen, das gesamte Gelände an die arabischen Investoren abzugeben, ohne dass konkrete Planungen vorgelegt wurden.“  Der stellvertretende Fraktionssprecher der Grünen, Dr. Boris Wolkowski, hatte darauf hingewiesen, dass die Stadt die Wertentwicklung des Geländes über das Planungsrecht steuere. Dies nun dem Investor zu überlassen, sei unklug.

Aus Sicht von Dr. Gerd Brenner, umweltpolitischer Sprecher der Grünen, ist zu bezweifeln, ob das Projekt mit den energie- und klimapolitischen Zielen von Stadt und Land überhaupt vereinbar ist. „Mit einer künstlichen Winterlandschaft im Hochsommer und einer Sommerlandschaft im Winter wird das Projekt `Four Seasons` extrem viel Energie verbrauchen“, stellt der Grünen-Politiker fest. „Das Projekt müsste energetisch autark betrieben werden angesichts der Tatsache, dass die Stadt über ein Konzept zur Vermeidung von CO² verfügt. Ich bin gespannt, ob es gelingt, die klimabelastenden künstlichen Event-Welten durch Solar- und Windkraftanlagen auf dem Gelände auszubalancieren. Das sollte auf jeden Fall eine politische Forderung an die `Four Seasons`-Planer sein“, so Dr. Brenner. Zur Erstunterbringungseinrichtung von Asylbewerbern und Flüchtlingen, die auf dem JHQ-Gelände bald eröffnet werden soll, erklärt er: „Die Saudis lehnen es ab, Flüchtlinge aus Syrien in ihrem Land aufzunehmen, obwohl sich der Bürgerkrieg vor ihrer Haustür abspielt. Zugleich wollen sie 1,4 Milliarden Euro in einen Vergnügungspark in Mönchengladbach investieren. 2.500 Flüchtlinge aus Syrien und dem Nahen Osten und unmittelbar daneben ein mit saudischem Geld finanziertes Luxusressort, das ergibt eine brisante Mischung.“

Karl Sasserath verweist in diesem Zusammenhang auch auf den Umstand, dass die einzuhaltenden Abstandsflächen bei der Umsetzung des „Four Seasons“-Projektes Windkrafträder auf dem Gelände des JHQs ausschließen würden. Dieser Ausschluss entzöge der Stadt notwendige finanzielle Einnahmen. Auch die Frage der zukünftigen Nutzung der Wasserrechte sei ungeklärt. Dann sieht er noch ein weiteres Problem auf die Stadt zukommen: „Wenn die Stadt das Gelände von der BImA erwirbt, wäre sie für sämtliche Unterhaltspflichten zuständig, das wären Kosten von jährlich 1 Mio. €. Mönchengladbach kann sich es nicht erlauben, das Areal im Vorlauf zu erwerben.“

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