Bebauungsplan Sebanstianspfad

Es war einmal...

ein nettes kleines Dorf am Rande einer mittelgroßen Stadt. Es gab viele Wiesen und Gärten auf denen die Kinder vielerlei Arten von Pflanzen und Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren beobachten konnten. Schmetterlinge und Igel waren besonders beliebt. Leider wurde das nette, kleine Dorf nach und nach zugebaut, immer mehr natürliche Flächen verschwanden und Rasenflächen wurden angelegt und wöchentlich gemäht. Und so verschwanden Schmetterlinge und Igel. Als Vögel gibt es seitdem nur noch schrille Amseln und lästige Tauben.

 

Wollen wir das wirklich auch für Wickrathhahn? Oder was wollen wir erreichen ? Diese scheinbar simple Frage ist nicht so einfach zu beantworten?

Private Unternehmen analysieren Märkte, entwickeln Szenarien, versuchen zu ergründen wie sich die Dinge entwickeln und treffen dann Entscheidungen. Der Blick der Politiker sollte auch über die jeweilige Wahlperiode hinausgehen. Wie wird sich das Dorf und der Bezirk in den nächsten 25 Jahren entwickeln ?

Mönchengladbach hat das Glück, dass eine Aufnahme in das Bundesprojekt „Stadt 2030“ stattgefunden hat. Der angekündigte Masterplan für die Stadtentwicklung mit konkreten Handlungsvorgaben liegt noch nicht vor.

 

Einige wesentliche Veränderungen, die auf uns zukommen, stehen allerdings bereits fest. Die Bevölkerungszahl wird zurückgehen, vielleicht in den nächsten 25 Jahren nur um 5 %. Der Bevölkerungsaufbau wird sich drastisch verändern, die Menschen werden immer älter und es wird viel mehr ältere als jüngere Menschen geben. Es wird viele über 80-jährige Singles geben.

Wollen und können diese vielen älteren Menschen wirklich noch im Einfamilienhaus am Stadtrand wohnen. Oder sind neue Wohnformen erforderlich, vielleicht Wohngemeinschaften, zentral gelegen, mit Einkaufsmöglichkeiten, die ohne Auto zu erreichen sind. Wir reden nicht von einer fernen Zukunft sondern von einem Zeitraum von 25 Jahren. Was passiert dann mit den vielen Häusern am Stadtrand. Es gibt dann nicht mehr die vielen jungen Familien, die an den Stadtrand wollen.

 

Ist es vor diesem Hintergrund sinnvoll so weiterzumachen wie in den letzten 30 Jahren, nur weil es eben immer so war? Oder müssen wir über neue Wege nachdenken?

Wir stehen vor wesentlichen Veränderungen, die nicht dem Zyklus einer Wahlperiode entsprechen. Es fehlt ein Dorfentwicklungsplan, der ein Stück weit in die Zukunft blickt und der verschiedene Szenarien darstellt. Dies gilt auch für die anderen Dörfer des Bezirks und als Masterplan auch für die ganze Stadt.

Vor diesen Entwicklungen die Augen zu verschliessen und jeden Bebauungsplan durchzuwinken ist unverantwortlich. Es werden bauliche Fakten geschaffen, die schon in einem überschaubaren Zeitraum nicht mehr benötigt werden.

 

Konkret zu Wickrathhahn:

Ein wesentlicher Aspekt ist die völlig unzureichende Infrastruktur vor Ort. Hierzu ein paar Stichworte:

- Es sind keine den Bedürfnissen entsprechenden Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche vorhanden; nicht einmal eine Möglichkeit, sich bei schlechtem Wetter zu treffen.

- schlechte Anbindung an den ÖPNV, lange Taktzeiten, besonders abends und am Wochenende (Bsp. ab 21.00 h keine Anbindung mehr).

- schlechte Einkaufsmöglichkeiten, keine medizinische Versorgung; dies trifft vor allem ältere Menschen ohne PKW bzw. ohne Führerschein

- somit ist der Ort - bis auf die gute Lage am Stadtrand - wenig familienfreundlich aber auch nicht seniorengerecht.

 

Hinzu kommt, dass im vorliegenden Bebauungsplan ein ökologisch hochwertiges Gebiet verschwindet und die benötigte Ausgleichsfläche von fast 4000 qm in Wickrathhahn bisher nicht zur Verfügung steht.

 

Das Dorf wird durch diese Maßnahme sowie die jetzt schon fehlende Infrastruktur immer ärmer, es verliert seinen Dorfcharakter und wird immer mehr zu einem reinen Schlafdorf.

 

Wir bitten alle Fraktionen die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit des Bebauungsplans zu überdenken. Auch wenn der erste Bürgermeister sich persönlich für das Objekt einsetzt.

 

Die Alternative zum vorliegenden Entwurf ist aus unserer Sicht eine Bebauung nur direkt am Sebastianspfad, ohne eine innere Erschliessung.

 

Grundsätzlich gilt die Forderung an die Verwaltung, dringend den angekündigte Masterplan für die Stadt zu erstellen sowie für die Dörfer der Stadt entsprechende Dorfentwicklungspläne.

 

Diether Brüser