Mittel für ein Konzept zur Stabilisierung der Ehrenamtlichkeit in der verbandlichen und offenen Jugendarbeit

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur öffentlichen Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 27. Januar 2005

 

Gegenstand:

Mittel für ein Konzept zur Stabilisierung der Ehrenamtlichkeit in der verbandlichen und offenen Jugendarbeit

Beschlussentwurf:

Der Jugendhilfeausschuss beauftragt die Verwaltung, ein Konzept zu erarbeiten, um die in Mönchengladbach zunehmend bedrohte Kultur der Ehrenamtlichkeit in der verbandlichen und offenen Jugendarbeit zu stabilisieren und wieder aufzubauen. Der Rat wird ersucht, dazu im Unterabschnitt 451 "Jugendarbeit" des Haushaltsplans 2005/ Verwaltungshaushalt zusätzliche Mittel in Höhe von zunächst 30.000 Euro einzustellen.

Begründung:

Der vorliegende Haushaltsplan lässt erkennen, dass die Jugendhilfe in der Stadt von Jahr zu Jahr mehr in eine bedrohliche Schieflage gerät: Die Stadt lässt die Alltagsarbeit im Rahmen der Jugendarbeit Stück für Stück wegbrechen und muss dann, wenn Kinder und Jugendliche "in den Brunnen gefallen" sind, diese Inaktivität teuer bezahlen. Während die eingeplanten Mittel für die kostengünstig zu finanzierende Breitenarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Jugendarbeit Schritt für Schritt reduziert werden (zuletzt von 0,327 auf 0,265 Mio Euro), nehmen die eingeplanten Mittel für Hilfen zur Erziehung (u.a. Heimeinweisungen) sprunghaft zu (zuletzt innerhalb eines Jahres von 18,1 auf ca. 25,4 Mio Euro). Zusätzlich zu den Mittelreduzierungen im städtischen Haushalt gibt es in jüngster Zeit auch bei den Kirchen, die erhebliche Teile der Jugendarbeit tragen, drastische finanzielle Einschnitte und damit eine Zerstörung bisheriger Unterstützungsstrukturen für die Jugendarbeit. Vom Wegfall hauptamtlicher Stellen besonders betroffen sind die Ehrenamtlichen, die sowohl im verbandlichen als auch im offenen Bereich weiterhin große Teile der Jugendarbeit in der Stadt gestalten. Eine Folge davon wird sein, dass auch die Angebote für die Kinder und Jugendlichen (wöchentliche Gruppenstunden, Fahrten etc.) deutlich zurückgehen werden. Die Stadt hat bisher dem zunehmenden Wegbrechen der "Kultur der Ehrenamtlichkeit" tatenlos zugesehen. Sie hat zudem in den letzten Jahren - so die wiederholten Einlassungen von Vertretern des Stadtjugendrings im Jugendhilfeausschuss - die bürokratischen Hürden für die Beantragung von Zuschüssen erhöht und damit Ehrenamtliche zusätzlich in die Resignation getrieben. Eine solche Entwicklung ist im Interesse der Kinder und Jugendlichen in der Stadt nicht länger hinnehmbar.

 

Eine solche Entwicklung kommt die Stadt im Übrigen auch sehr teuer zu stehen; denn Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Lage sind und bisher in den verschiedenen Netzwerken der Jugendarbeit evtl. aufgefangen und stabilisiert werden konnten, stehen nun ohne Unterstützung "auf de Straße" und werden z.T. zu "Fällen", auf die das Jugendamt dann reagieren muss, weil es in Notlagen eine gesetzliche Eingriffspflicht hat. Es ist zu erwarten, dass die Kosten für Hilfen zur Erziehung weiter drastisch steigen werden, wenn der präventiven Breitenaktivität der Jugendarbeit weiter der Boden entzogen wird und Kinder und Jugendliche, die zu Hause Probleme haben, außerhalb der Familie in Jugendgruppen und Jugendhäusern keine für sie akzeptablen Ansprechpartner mehr finden.

 

Es erscheint daher sinnvoll, die genannten Mittel einzusetzen, um die Kultur der Ehrenamtlichkeit in Mönchengladbach vor irreparablen Beeinträchtigungen zu schützen und sie da, wo einiges bereits weggebrochen ist, wieder zu beleben. Dafür gibt es national wie international eine Reihe erprobter Möglichkeiten, für die man sich nur entscheiden muss. Es scheint nicht unangemessen, für ein solches Stabilisierungsprogramm Mittel einzusetzen, die nicht einmal die Kosten für einen einzigen Heimplatz ausmachen.

 

Gerd Brenner

Gerd Brenner