Rechte Szene in Mönchengladbach: Klartext von Klarmann

Mönchengladbach. Auf Einladung der Mönchengladbacher Bündnisgrünen war jetzt der Aachener Journalist und Rechtsextremismusexperte Michael Klarmann zu Gast in Rheydt. Klarmann, mit einem Preis für seine jahrelange Aufklärungsarbeit über den Rechtsextremismus in der Region Aachen ausgezeichnet, gab den Anwesenden im Paritätischen Zentrum einen Einblick in die rechte Szene Mönchengladbachs.

Diese Szene umfasst Neonazis, die NPD – die mit Manfred Frentzen ja im Mönchengladbacher Stadtrat vertreten ist -, aber auch Gruppierungen wie Pro NRW, die neu-rechte Gruppierung „Identitäre Bewegung“ und die Partei „Die Rechte“. „Die rechte Szene geht mit der Zeit“, stellte Klarmann im Hinblick auf das äußere Klischee von Rechtsextremen mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln klar. Die rechte Szene präsentiere sich heutzutage vielmehr subkulturell, man sehe „normal“ aus, sei rein äußerlich zuweilen nicht einmal von Anhängern der linken Szene unterscheidbar.

Wichtigstes Propagandainstrument der Rechtsextremen ist laut Michael Klarmann der so genannte Rechtsrock. „Diese Musik ist für Jugendliche die Einstiegsdroge Nummer eins“, so der Aachener Journalist. Sehr bekannt in der Szene sei die aus Mönchengladbach stammende Band „Division Germania“ um den früheren NPD-Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2005, Andreas Koroschetz. Der 29-jährige ist zugleich auch Mitglied der Nazi-Punkband „Rotte Charlotte“.
„Die Musik ist eine sehr gute Ansprache für Jugendliche, um sie mit rechtsextremen Inhalten zu konfrontieren. Die Musik ist dafür besser geeignet als politische Reden oder Flyer.“ Die Musikstile sind im Übrigen keineswegs nur auf Heavy Metal und Punk beschränkt: Hip Hop und Techno gehören ebenfalls zum Repertoire.

Die NPD, die in Mönchengladbach seit 2012 von dem 27-jährigen Christian Wintzen angeführt wird, gehe vornehmlich mit dem Thema „Kinderschänder“ auf Stimmenfang. „Das ist das Einfallstor für die extreme Rechte, denn viele Menschen sind ja der Meinung, wenn es eine Todesstrafe gäbe, hätten Kinderschänder sie zuerst verdient“, erläuterte Klarmann. Das Thema sei insofern auch dienlich, da es Polizei und Rechtsstaat als überfordert vorführe. „Die Nazis geben sich dann als legitime Kraft, die den Anwohnern hilft.“

Anfang März dieses Jahres hatte die NPD im benachbarten Dülken vor dem Haus eines angeblichen Triebtäters eine Mahnwache abgehalten. Die Mahnwache – ein Weg, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sich als Kinderschützer zu präsentieren. Wer Rechtsextreme auf die Tatsache anspreche, dass die Nazis im Dritten Reich auch viele Kinder vergast und in den Krieg geschickt haben, ernte dann aber recht schnell Schweigen.

Weiteres Thema, mit dem die Rechtsextremen punkten, ist die Kriminalität. „Kriminelle Ausländer morden. Und das System schaut zu“ – eine Parole, die nicht nur bei Aufmärschen gern benutzt wird. Auf Flugblättern wird auch gern der Opfermythos bemüht: „Sie sagen Neonazis und meinen uns Deutsche“, heißt es da. Ein „richtiger“ Deutscher sieht eben die Welt, wie sie die Neonazis sehen.

Aktiv sind die Neonazis in jüngster Zeit besonders mit Kleinstaktionen. Sehr spontan organisiert man – mit wenigen Leuten – etwa Mahnwachen unter dem Motto „Raus aus dem Euro“.  Wenn  auch die Reichweite solcher Aktionen sehr begrenzt ist, so haben sie den Vorteil der direkten Ansprache, auch gibt es selten Gegenproteste. „Von der Aktion werden dann Fotos und Videoaufnahmen gemacht, die man später im Internet als Volksbewegung darstellt“, erklärte Klarmann. Diese Vorgehensweise sei viel effektiver als etwa ein Infostand. „In der Adventszeit gibt es auch Aktionen, bei denen sich Rechtsextreme  - Männer wie Frauen - als Weihnachtsmänner verkleiden“, so der Rechtsextremismus¬experte weiter. So werde ein positives Bild missbraucht.

Dem rechten Spektrum klar zuzuordnen ist auch die Bewegung „Pro NRW“, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Laut Klarmann ist die Bewegung – der laut ihrer Partei auch die Rheydterin Monika Reh angehörte – fremdenfeindlich, rechtsradikal und islamfeindlich. Vorsitzender des Kreisverbandes Mönchengladbach von „Pro NRW“ ist Dominik Roeseler, nach eigener Darstellung einer Gegner des Extremismus. „Pro NRW täuscht vor, eine Bürgerbewegung zu sein, um sich mit den Bürgerinitiativen zu vernetzen“, verdeutlichte Michael Klarmann. Am Rande einer Kundgebung von „Pro NRW“ am 16. März dieses Jahres in der Gladbacher Straße Luisenthal tauschten sich Dominik Roeseler und der Gladbacher NPD-Chef Christian Wintzen aus. Bei einer späteren Kundgebung von konkurrierenden Neonazis am Gladbacher Hauptbahnhof blieb NPD-Mann Wintzen indes auf Abstand zu den Neonazis - auch im rechten Spektrum zählt am Ende eben jede Stimme.*

Anita Parker und Shahriar Parvizi, beide Vorstandssprecher des hiesigen Grünen-Kreisverbandes, und der Bundestagskandidat der Mönchengladbacher Grünen, Dr. Gerd Brenner, dankten am Ende dem Journalisten aus Aachen für dessen informativen Vortrag. „Die Arbeit gegen die extreme Rechte ist wichtig, denn die Wurzeln des Rechtsradikalismus sind noch längst nicht abgestorben“, so Gerd Brenner.

 

*Richtigstellung: In einer ursprünglichen Fassung dieses Absatzes hatten wir vorsichtigerweise behauptet, Frau Reh habe "Pro NRW" nur bis 2011 angehört, weil sich nur bis dahin eine Mitgliedschaft gerichtsfest belegen ließ. Laut einer Mitteilung von Herrn Roeseler gehört sie "Pro NRW" aktuell immer noch an.

Ferner kam es zu einer Namensdrehung, die wir bedauern. Ursprünglich hatten wir wiedergegeben, dass Dominik Roeseler und Christian Witzen sich bei der Neonazi-Kundgebung ausgetauscht hatten. Wie uns Michael Klarmann mitteilte, hätten die Beiden jedoch nicht bei dieser Kundgebung miteinander gesprochen, sondern vielmehr bei der am selben Tag von "Pro NRW" veranstalteten Kundgebung im Luisenthal.

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