Für eine andere Stadtbibliothek! – Warum ein neues Kultur-, Bildungs- und Medienzentrum ?

Mönchengladbach. Ein Ort, an dem Kultur und Bildung für Groß und Klein und Nah und Fern über Kulturgrenzen hinweg möglich ist, muss zur Pflichtaufgabe einer Kommune wie Mönchengladbach gehören, die sich seit Jahrzehnten als Oberzentrum der umliegenden Region definiert. Deswegen hat Mönchengladbach z.B. ein Theater, ein Museum oder öffentliche Schwimmbäder. Deswegen benötigt die Stadt nach Auffassung von Bündnis 90/Die Grünen auch ein Kultur-, Bildungs- und Medienzentrum.

Nis-Edwin List-Petersen, Büchereidirektor des Verbandes Deutscher Büchereien in Nordschleswig, schlägt für die Arbeit von Stadtbibliotheken vor, „ eine Strategie zu ermöglichen, Bibliotheken in Deutschland zu dem zu entwickeln, was sie in Dänemark sind: Kulturvermittlungs-, Beratungs-, Versammlungs- und Kommunikationsstätten, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung als unverzichtbarer Teil ihres Alltags gesehen und genutzt werden.“

Das, was ein solches Kultur-, Bildungs – und Medienzentrum leistet, ist mit Geld nicht aufzuwiegen, für die Kinder und Jugendlichen dieser Stadt, für die Studierenden, für die Seniorinnen und Senioren, für Schulen und Hochschule, für Kultur, Kunst und Bildung und für die Stadtentwicklung. Monika Ziller, Vorsitzende des Deutschen Bibliothekenverbandes, nennt Stadtbibliotheken als Kultur-, Bildungs- und Medienzentren „Oasen in einer hektischen Welt“.

Weil diese Funktion für die Entwicklung einer Stadt wie Mönchengladbach auch von Bündnis 90/Die Grünen für nötig gehalten wird, ist die Partei mit der politischen Forderung nach einem Neubau als Ersatz für die Zentralbibliothek an der Blücherstraße in die Kommunalwahl 2009 gegangen. Das Eintreten für einen Neubau als wichtige Investition in die Bildung für breiteste Bevölkerungskreise wird von Bündnis 90/Die Grünen schon seit mehreren Jahren als politische Forderung in der Öffentlichkeit vertreten und für eine Pflichtaufgabe gehalten. Nach der letzten Kommunalwahl hat das politische Bündnis von SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen gemeinsam mit dem Oberbürgermeister diese Forderung auch im Kooperationsvertrag als Programm für Mönchengladbach vereinbart.

Warum aber ein Neubau? Kann die Zentralbibliothek an der Blücherstraße nicht saniert werden?

Zunächst widerspricht eine Sanierung des Gebäudes aus räumlichen Gründen der oben ausgeführten Konzeption und Funktion eines Kultur- und Bildungszentrums. Die in den 1950er Jahren geplante und 1964 gebaute Zentralbibliothek hat eine Architektur, die ihren Schwerpunkt auf die Ausleihe von Büchern ausgerichtet hat und damit die Bibliotheksauffassung aus der Nachkriegszeit widerspiegelt. Diese Konzeption ist für ein Kultur-, Bildungs- und Medienzentrum nach 50 Jahren endgültig überholt.

Die Räumlichkeiten, wie man sie an der Blücherstraße vorfindet, entsprechen nicht mehr den Bedürfnissen einer Stadtbibliothek des 21. Jahrhunderts. Deshalb gilt es ernsthaft zu prüfen, ob ein Neubau nicht mehr leistet als eine Sanierung des Gebäudes an der Blücherstraße mit einer Erweiterung durch einen Anbau.

Ein Neubau mit größerer Fläche wird dringend benötigt, weil bis heute ein pädagogischer Bereich fehlt, ebenso die weiteren notwendigen Bildschirmarbeitsplätze. Bislang ist es Kitas und Schulklassen nur sehr eingeschränkt möglich, in der Bibliothek zu arbeiten, da die hierzu erforderlichen Räume fehlen. Und trotz dieser eingeschränkten und überholten Rahmenbedingungen ist die Stadtbibliothek an der Blücherstraße mit mehr als 1000 Besuchern täglich schon heute die meist frequentierte kulturelle Einrichtung der Stadt.

Eine Sanierung am alten Standort könnte den gewandelten Anforderungen an eine moderne Bibliothek - wenn überhaupt - nur sehr eingeschränkt gerecht werden.

Auch aus finanzpolitischen Gründen macht eine Sanierung für Bündnis 90/Die Grünen wenig Sinn.

Allein 1.8 Mill. € müssen bis spätestens 2016 in den Brandschutz investiert werden. Schon jetzt ist die Benutzung nur mit Ausnahmeregelung möglich.

Bei Sanierungen älterer Sonderimmobilien kommt es dazu häufig zu beträchtlichen Mehrkosten, weil an den Gebäudeinfrastrukturen im Verlauf der Jahrzehnte an vielen Stellen Schäden und Mängel (Asbest?) entstehen. Ein warnendes Beispiel zeigt sich bei der momentanen Sanierung des Berufskollegs Mülfort, wo die Kosten dramatisch gestiegen sind und große Teile des Schulgebäudes seit Monaten nicht genutzt werden können.

Nur die Kosten für den Brandschutz in Betracht zu ziehen, wäre aber zu kurz gegriffen. Hinzu kommen die unvermeidlichen Kosten für die Renovierung und insbesondere auch für bauliche und energetische Maßnahmen, denn die meisten Bauteile (Fenster, Fassade, Dach, Haustechnik etc.) haben nach 50 Jahren das Ende ihrer Lebenserwartung erreicht und brauchen eine grundlegende Ertüchtigung oder Erneuerung. Die Herstellung der Barrierefreiheit und Umbauten für bibliothekarische und funktionale Verbesserungen oder die Schaffung von notwendigen Erweiterungsflächen sind damit noch nicht berücksichtigt. Anforderungen eines ggf. festgestellten Denkmalschutzes könnten zu weiteren erheblichen Mehrkosten führen. Eine Sanierung der jetzigen Zentralbibliothek wird also Millionen Euro verschlingen, aber sie wird aus Sicht von Bündnis 90/Die Grünen nicht ansatzweise einen Stand erreichen, der die Bedingungen für die Konzeption und Funktion eines Kultur-, Bildungs- und Medienzentrums  für das 21. Jahrhundert erfüllt. Auch die erheblichen Kosten für den vorübergehenden Umzug für die Zeit der Sanierung bzw. des Umbaus sind bei der Kalkulation zu berücksichtigen.

Der Neubau eines Kultur-, Bildungs- und Medienzentrums ist aber auch verbunden mit der Abkehr von einer Politik, die Millionen in Straßen für eine „Autovorrang-Verkehrspolitik“ investiert hat. Die Schneisen und Straßenwüsten an der Steinmetzstraße, am ehemaligen Affenfelsen oder auf der Korschenbroicher Straße sollen hier nur beispielhaft genannt werden. Für eine Stadt, die im jährlichen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes des Landes Nordrhein-Westfalen zu den Kommunen mit einem der höchsten Anteile an SGB II-Empfängern gehört, sollten in Zukunft Investitionen vor allem in Projekte fließen, die eine nachhaltige Förderung von Menschen bewirken, die kaum Zugang zu Bildung, Kultur und Medien haben. Diese Aufgabe erfüllt ein Kultur-, Bildungs- und Medienzentrum, das den Menschen, den Schulen, der Hochschule und der Kultur- und Wissensvermittlung dient.

Vor diesem Hintergrund haben SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen beschlossen, die Verwaltung umgehend mit den Planungen für einen Bibliotheksneubau zu befassen und sukzessive den Ausschüssen und dem Rat die Ergebnisse der geforderten Ausarbeitungen vorzulegen.

Es wurde dabei der Standort Alter Markt/Hindenburgstraße besonders ins Auge gefasst. Entscheidend für den Standort Alter Markt war den Ampelpartnern die zentrale Lage, die einen niederschwelligen Zugang zum neuen Kultur-, Bildungs- und Medienzentrum (quasi im Vorbeigehen) ermöglicht und durch die soziale und kulturelle Wirkung die Anziehungskraft auf Passanten zusätzlich erhöht. Die obere Hindenburgstraße hat heute schon Frequenzprobleme, erst recht, wenn die Mönchengladbacher Arcaden ihren Betrieb aufnehmen. Die Anbindung des hoch frequentierten neuen Kultur- und Bildungszentrums wird hier für die notwendige Belebung sorgen. Gleichwohl sind alternative Standorte im Auge zu behalten. Bündnis 90/Die Grünen legen dabei ausdrücklich Wert darauf, dass Finanzierungsmodelle (Bau / Kauf / Miete) unter Mitwirkung der städtischen Beteiligungsgesellschaften detailliert auf der Grundlage der oben aufgeführten Rahmenbedingungen ausgearbeitet werden und dem Rat mit Alternativen vorzustellen sind.

Viele Menschen haben vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wie Stuttgart 21 oder dem Berliner Flughafen Angst, dass sich die Stadt Mönchengladbach mit dem Projekt Bibliotheksneubau finanziell übernehmen könnte. Die Grünen werden daher die Planungen in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung genau überwachen und eventuellen Fehlentwicklungen zeitig begegnen.

Die Sanierung der alten Stadtbibliothek an der Blücherstraße ist aus heutiger Sicht nur die zweitbeste Lösung. Die Sanierung mit Umbau sollte aber dann angegangen werden, wenn nach Vorlage der beauftragten Planungen ein Neubau nicht die geforderten Funktionen erfüllen würde oder die Finanzierung nicht zu stemmen wäre.

Bündnis 90/Die Grünen sind überzeugt davon, dass ein Neubau eines Kultur-, Bildungs- und Medienzentrums, der sich klar kalkulieren lässt, der sich im städtischen Finanzkonzept einer Stärkungspaktkommune abbilden lässt und der den Anforderungen einer Bildungs- und Medieneinrichtung des 21. Jahrhunderts für die Stadt Mönchengladbach und ihrer Bürgerinnen und Bürger entspricht, richtig ist.

 

Karl Sasserath, Fraktionssprecher

Georg Weber, Planungspolitischer Sprecher

Claus Flören, Kulturpolitischer Sprecher

Gerd Schaeben, Schulpolitischer Sprecher

Anita Parker, Kreisverbandssprecherin


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