Wasser am Niederrhein durch Überdüngung stark belastet

Karl Sasserath.

Die Nitratwerte im deutschen Grundwasser gehören zu den höchsten in der EU. Hauptursache ist das Überdüngen der Felder mit Gülle aus der Massentierhaltung, die deutschlandweit (zusammen mit Gärresten aus rund 8000 Biogasanlagen) gut 190 Millionen Tonnen an „Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft“ produziert. Die Gülle führt insbesondere auch am Niederrhein dazu, dass die Felder überdüngt und die Grundwässer belastet sind. Nach Darstellung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz sind in Nordrhein-Westfalen 40 Prozent der Grundwasserkörper aufgrund zu hoher Nitratbelastungen in einem chemisch schlechten Zustand.

Eine aktuelle Übersicht zur Qualität des Ab-, Grund- und Trinkwassers am linken Niederrhein, die neue „Elwas-Karte“ (www.elwasweb.nrw.de), zeigt nun, dass die Böden und das Grundwasser vor allem in und um Mönchengladbach besonders stark belastet sind mit Pflanzenschutzmitteln und Nitrat. Hohe Nitratmengen im menschlichen Körper sind schädlich, da sie zu Nitrit umgewandelt werden können und dieses den Sauerstofftransport im Blut hemmen kann. Bei Säuglingen kann Nitrat zu „Blausucht“ und zum Erstickungstod führen.

In der EU gilt für Grund- und Trinkwasser übrigens ein Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt 25 Milligramm je Liter. Werden die Grenzwerte eingehalten, ist nach Ansicht deutscher Gesundheitsbehörden für alle Verbraucher - auch für die besonders empfindlich reagierenden Säuglinge - gewährleistet, dass bei regelmäßigem Verzehr des Trinkwassers keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen hervorgerufen werden.

„Grundsätzlich ist das Düngen mit Gülle im Sinne der Kreislaufwirtschaft“, sagt Karl Sasserath, Fraktionssprecher der Mönchengladbacher Bündnisgrünen. „Problematisch sind dabei aber die riesigen Mengen, die in der Tiermast anfallen und die dann auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden.“ Der Grünen-Politiker, zugleich Mitglied im Aufsichtsrat der NEW Kommunalholding, verweist in diesem Zusammenhang auf die so genannten Güllebörsen, über die überschüssige Gülle aus viehreichen Regionen in andere verfrachtet wird. Ärgerlich sind zusätzliche illegale Gülle-Lieferungen, oft aus den benachbarten Niederlanden. „Dort gibt es sehr viel Tierhaltung, aber viel zu wenig Fläche für die Gülle“, sagt Sasserath. Landwirte, die zu viel Dünger auf ihren Feldern ausbringen, riskieren Bußgeldbescheide und Kürzungen bei EU-Subventionen. „Aber das nimmt eben mancher in Kauf“, so Sasserath. Der Grenzwert liegt bei jährlich 170 Kilo Stickstoff pro Hektar. Experten fordern für Regionen mit erhöhten Nitratwerten im Grundwasser zu einer Obergrenze von 130 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr.

„Es ist so, dass die NEW seit Anfang der 90er Jahre mit über 300 Agrarbetrieben aus Mönchengladbach und Viersen zusammenarbeitet“, erläutert der Grünen-Fraktionschef. „Diese Betriebe bewirtschaften 90 Prozent der Äcker in dem Gebiet, für das die NEW zuständig ist.“ Hintergrund: Die NEW AG stellt über ihre Tochtergesellschaft NEW Niederrhein Wasser GmbH die Wassergewinnung und Aufbereitung in den Versorgungsgebieten der Städte Mönchengladbach, Viersen, Korschenbroich und Schwalmtal sicher.

Ein wichtiges Angebot des Unternehmens ist es laut Sasserath, die Landwirte zu beraten, wie möglichst Grundwasser-schonend gedüngt werden kann. „Dies ist natürlich besonders wichtig im Hinblick auf die Qualität des Grundwassers, das nicht weiter so exzessiv belastet werden darf“, so der Grünen-Politiker. Damit die gesetzlichen Grenzwerte im Trinkwasser eingehalten werden können, vermischen viele Wasserversorger nitrathaltiges mit nitratarmem Wasser oder verringern die Nitratgehalte belasteter Grundwässer mit speziellen Anlagen zur Nitrateliminierung. Das ist, auch finanziell, aufwändig. Am Ende zahlt der Kunde.
„Selbst wenn das Ausbringen von Gülle sofort untersagt würde, blieben die Nitratwerte trotzdem die nächsten zehn Jahre lang weitgehend unverändert“, sagt Sasserath. Bis die Belastung deutlich zurückgeht, dauerte es gut drei weitere Jahrzehnte. „Vielleicht wäre hier die Erhebung einer Abgabe auf synthetischen Stickstoff sowie auf Eiweißfuttermittelzukäufe ein gutes Steuerungselement, die Stickstoffdüngung zu verringern.“

Sasseraths grundsätzliche Kritik richtet sich aber gegen die Massentierhaltung und deren Folgen. „Uns Grünen geht es um die Beseitigung der Ursachen der Gewässerbelastung und den Tierschutz“, betont er. „Die Fleischindustrie produziert ständig mehr Fleisch, was zulasten einer artgerechten Tierhaltung und der Wasserqualität geht. Das muss endlich aufhören.“ Deshalb gehört das Thema Verbraucherschutz nach seiner Ansicht unbedingt auch auf die kommunale Agenda. Im Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Niederrhein sieht Sasserath dazu einen leistungsfähigen Kooperationspartner.

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