Redebeitrag von Hajo Siemes zum Tagesordnungspunkt Braunkohlebericht im Umweltausschuss am 8.12.05

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Dank an Frau Weinthal und Herrn Holtrup.

 

Vor allem die Abschnitte 4 und 5 des Berichts sind Gegenstand meiner Betrachtung:

 

Wenn man die Auswirkungen betrachtet, kann einem „Angst und Bange“ werden. Unsere Vermutungen, dass die Bergschäden irreparable sind, werden durch diesen Bericht nachträglich bestätigt.

An Beispielen möchte ich dies verdeutlichen:

s. 6: hier wird die Grundwasserentnahme als problematisch dargestellt, nicht nur in Bezug auf die Menge des vorhandenen Wassers, sondern auch auf die Qualität des Trinkwassers.

Bei den Auswirkungen auf das Oberflächengewässer und Feuchtgebiete (S.6 weiter) wird festgestellt, das durch die Tagebausümpfungen, die Niersquellen bei Kuckum versiegten und der natürliche Grundwasseranschluss erst 12 km weiter hinter Schloss Rheydt hergestellt wird. Weiter heißt es, dass von der natürlichen Vegetation nur noch Restbestände vorzufinden sind, die nun eines besonderen Schutzes bedürfen.

Eine weitere Beeinträchtigung der Wasserqualität wird durch die Abraumkippe aufgrund von hydrochemischen Prozessen der Versauerung gesehen. Hier werden Folgeerscheinungen benannt, die möglicherweise über Jahrhunderte die Trinkwasserversorgung und die Umwelt gefährden. (S. 6u.7)

Eine besondere Gefahr für Mensch und Umwelt wird auch in dem ab 2045 mit Rheinwasser gespeisten Abbaubereich von Garzweiler II gesehen, der zu einem See verfüllt werden soll. Hier wird die Qualität des Wassers sehr davon abhängen, inwieweit das giftige Tiefenwasser durch Bewegung nach oben kommen kann. Auswirkungen des Klimawandels und somit einhergehende Orkane oder andere Bewegungen in Luft und Erde, sind lt. Bericht längst nicht ausreichend untersucht. Eine Durchmischung des Wassers wird hierbei nicht ausgeschlossen. Daher werden wir hierzu nachfolgend einen Antrag formulieren.

Alleine diese bisher beschrieben Beispiele sind deutliche Anzeichen oder bereits Auswirkungen, die den Schluss zulassen, das der Bergbau nicht zu beherrschen ist und die Schäden nicht zu reparieren sind. Daher darf der Abbau Garzweiler II erst gar nicht erfolgen.

Als weiteres Problemfeld werden die Bergschäden beschrieben. Vor allem Bauwerke auf Holzpfählen sind hier besonders entlang des Rheindahlener Sprungs quer durch Rheydt bis hin nach Rheindahlen gefährdet. Die Auswirkungen werden durch Garzweiler II noch wesentlich schlimmer. Ebenfalls werden Schwierigkeiten benannt, für die Kanalinfrastruktur durch Veränderungen des ursprünglichen Gefälleverhältnisses. (S.8)

Trotz der offensichtlichen Erfolge bei den Gegenmaßnahmen (Einleitungen von Wasser), werden dauerhafte Schäden zurückbleiben. Unsere Region wird noch für mindestens 80 Jahre buchstäblich „am Tropf“ von Rheinbraun und deren Gegenmaßnahmen hängen. Und dies bereits jetzt nach dem Tagebau Garzweiler I, der noch weiter von MG entfernt ist als der nun folgende Tagebau Garzweiler II. (S.12.)

Mit Blick auf die Bergschäden kommt der Bericht zu dem Schluss: „Aus Sicht der Stadt ist die eklatante Benachteiligung Mönchengladbacher Bürger jedoch nicht vertretbar.“ (S.15)

 

Für uns ist der Schluss eindeutig: Wenn schon Garzweiler I irreparable Schäden hinterlässt, gilt dies erst recht für den Tagebau Garzweiler II, der noch näher an die Stadt heranrückt. Denn wer kann schon vorhersagen, ob nicht durch unvorhersehbare Naturereignisse und Katastrophen, durch Klimawandel und Erdverschiebungen Teile der Stadt Mönchengladbach demnächst in ein von Menschenhand geschaffenes Erdloch verschwinden.

Hajo Siemes